Augewachsen in Köln in den 60er und 70er Jahren

Auf 64 Seiten schildert „Aufgewachsen in Köln in den 60er und 70er Jahren“ ausschnitthaft und in zum Teil persönlichen Erinnerungen die beiden spannenden Jahrzehnte, angereichert mit historischen Fotos.

Der Milupa-Hafertrockenschleim ist Autor Bernd F. Hoffmann genauso im Gedächtnis geblieben wie der Brandt-Zwieback mit Bananenmus, der im mit heißem Wasser befüllten Babyteller warm gehalten wurde, das Gläschen Spinat mit Karotten oder der Lebertran und der Trank, der rote Bäckchen machte.

Wer in den 60er und 70er Jahren in Köln aufwuchs, hat sicherlich ähnliche (Geschmacks-)Erfahrungen gemacht.
(Nur) 48 000 Straftaten zählte man damals hier, im Kindergarten wurden früher die Erzieherinnen mit „Tante“ angesprochen, in der Schule benutzte man den grünen Geha-Füller mit Reservetank oder den Pelikano mit Schönschreibfeder, Sportunterricht hieß „Turnen“, und der Hausmeister hatte Milch und Kakao im Angebot.

1968 kam die erste U-Bahn, Comic-Hefte wurden fälschlich als „Schundliteratur“ abgetan, das neue Müngersdorfer Stadion wurde 1975 eingeweiht.

Auf 64 Seiten schildert Hoffmann ausschnitthaft und in zum Teil persönlichen Erinnerungen die beiden spannenden Jahrzehnte, angereichert mit historischen Fotos – eine farbige Lektüre und ein detailreiches Wiedererleben. (vol)
Kölnische Rundschau

Verblüffende Momente
„Aufgewachsen“ heißt eine reich illustrierte Neuerscheinung über die 60er und 70er Jahre: Bernd Franco Hoffmann schildert darin kurzweilig Kindheits- und Jugenderinnerungen, die so manchem bekannt vorkommen dürften.

Das kenn ich doch! Ein Buch voller Erinnerungen.
KÖLN – Ist das nicht ein Schwarz-Weiß-Bild aus dem eigenen Fotoalbum? Brav aufgereiht und meistenteils lächelnd präsentieren sich die Grundschüler, hier ein Mädchen mit Zöpfen, da ein Junge in Lederhose mit Hirsch-Emblem. In der Mitte die Lehrerin, und unten, gehalten von einem Mädchen, die Schiefertafel mit der Aufschrift „1. Schuljahr“ samt Jahreszahl.
Es ist einer der verblüffenden Wiedererkennungsmomente, die das reich illustrierte Buch „Aufgewachsen in Köln in den 60er und 70er Jahren“ beschert. Von Kindern mit Sankt-Martin-Laternen bis zur acht-förmigen Autorennbahn unterm Weihnachtsbaum; vom Sommervergnügen im Rheinpark bis zur Fassade des alten Ufa-Palastes und vom Jubel über den Aufstieg des Fußballclubs Fortuna Köln zum Bundesligisten bis zu den Bläck Fööss, posierend in Trikots.
Die erste Peepshow
Geschrieben hat das in überschaubare Artikel gegliederte und mit Chronikleisten versehene Buch Bernd Franco Hoffmann, Jahrgang 1961, der in Köln aufgewachsen ist und als Journalist und Autor arbeitet. Der Band fügt sich ein in eine Reihe gleichartiger Bücher, die Kindheit und Jugend in einer deutschen Stadt beleuchten, ob in Berlin, Bremen oder Dresden. Der Bogen der Alltagsgeschichte in Köln spannt sich von der Zeit, als die erste „Spoga“ (Fachmesse für „Sportartikel, Campingbedarf und Gartenmöbel“) stattfand und die Autobahnstrecke zwischen Köln und Aachen eröffnet wurde, bis zum Ausklang der 70er Jahre, als die Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn der Straßenbahn wich und es für den 4. Dezember 1979 heißt: „Laut Gerichtsbeschluss muss Köln die Eröffnung einer „Peepshow“ genehmigen.“
Der Band versammelt gleichermaßen Typisches fürs Aufwachsen in der Bundesrepublik jener Zeit wie Spezifisches für Köln als Heimatort. Die Benutzung von Füllern („Geha“ oder „Pelikano“) begegnet dem Leser ebenso wie die Geschicke des 1. FC Köln, die Faszination durch Chemiebaukästen und die Glibbermasse „Slime“ ebenso wie Ausflüge in den Königsforst, zum Altenberger Märchenwald und in den Vergnügungspark „Tivoli“. Fehlen dürfen auch nicht die Wahl des Karnevalskostüms, TV-Serien wie „Daktari“ und „Der Spatz vom Wallrafplatz“, die Eröffnung des Eroscenters in der Hornstraße (1972), des Müngersdorfer Stadions und der ersten Gesamtschulen (beides 1975), die Ölkrise, die Bundesjugendspiele, die „größte Schallplattenschau der Welt“ bei Saturn und der Besuch von Kneipen wie „Spielplatz“ und „Holzwurm“.
Clemens Schminke, Kölner Stadt-Anzeiger

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