„Ginger Baker war damals der Hammer“- Meister-Schlagzeuger Willy Ketzer analysiert die berühmtesten Rockdrummer

Willy Ketzer in seinem Element. (Foto: Hoffmann)

Willy Ketzer in seinem Element. (Foto: Hoffmann)

Jede Band ist immer nur so gut wie ihr Schlagzeuger – diese Musikerregel würde Willy Ketzer blind unterschreiben. Der in Bad Kreuznach geborene Rösrather zählt schon seit mehreren Jahrzehnten zu den profiliertesten Studio- und Live-Schlagzeugern Deutschlands. Auftritte mit Superstars wie Liza Minnelli oder Barry Manilow sind nur einige der vielen Trommelstationen auf seiner
musikalischen Visitenkarte. Demnächst geht er mit dem Comedian Helge Schneider auf Tournee und im Januar erscheint seine Solo-CD „A Tribute To Ramsey Lewis“. Keiner wäre besser geeignet, um mit mal die Schlagzeugsoli der berühmtesten Rockdrummer genauer unter die Lupe zu nehmen. Also CDs rein und auf „Start“ gedrückt.

Der erste Kandidat ist Ron Bushy. Der Name sagt den meisten Rockfans nichts, sein Solo ist jedoch unsterblich. Es ist auf dem legendären Psychedelic-Rock-Klassiker „In-AGadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly zu hören. Es dürfte auf der Welt wohl niemanden geben, der dieses einprägsame Stück nicht schon irgendwann mal gehört hat. Während Bushy im Hintergrund trommelt, erinnert sich Ketzer: „Ich habe dieses Solo früher mal auswendig gelernt. Das war als Anfänger technisch gerade so zu bewältigen.“ Technisch sei das Solo eher gleichförmig und ohne besonderen Aufbau. „Dennoch damals revolutionär, denn ein Schlagzeugsolo war in der Rockmusik eher unbekannt“, betont Ketzer.
Ein „Revoluzzer“ unter den Rockschlagzeugern war auch  Ginger Baker von der Supergruppe Cream. Bakers rund 15-minütiges Solo „Toad“ gilt ebenfalls als bahnbrechend. „Bis dahin hatte niemand so getrommelt. Baker ist sicher nicht der Wahnsinns-Drummer, aber das Ganze hat eine unglaubliche Wucht und war damals der Hammer“, schwärmt Ketzer.

Ginger Baker trommelt immer noch, im Gegensatz zu John „Bonzo“ Bonham von Led Zeppelin. Nach geschätzten 40 Wodkas schlief der 32-jährige Bonham am 25. September 1980 friedlich ein – und wachte nicht wieder auf. Noch heute wird Bonham geradezu kultisch verehrt. Selbiges gilt auch für sein Solo „Moby Dick“, auf dem Bonham die Felle sogar mit bloßen Händen bearbeitet. „Das ist schon eine physische Meisterleistung“, staunt Ketzer, ist aber dennoch unterm Strich nicht sonderlich beeindruckt: „Das ist rhythmisch letztendlich die Fortführung von Ginger Baker mit anderen Mitteln“.

Feuer und Flamme ist Ketzer dagegen für Carl Palmer. Der Schlagzeuger des berühmten Trios Emerson, Lake & Palmer (ELP) setzte drumtechnisch ebenfalls Maßstäbe. Bei ELP benutzte Palmer ein 96-teiliges Monsterset, das mit riesigen Tempelgongs, klotzigen
Kesselpauken sowie dem ersten Drum-Synthesizer bestückt war. Für die musikalische Materialschlacht benötigte „Carl der Große“ sogar einen Sattelschlepper zum Transport. „Aber der Mann ist technisch auch ganz oben“, schwärmt Ketzer beim Hören von Palmers „Percussion Solo Con Brio“. Auch der letzte Kandidat überzeugt den Meister. Es ist Neal Peart von Rush. Auch Peart liebt die Show und trommelt
auf einem halben Schlagzeugladen. „Technisch nichts Neues, aber mit tollen elektronischen Sounds kombiniert“, urteilt Ketzer.
Und welchen Trommler bevorzugt Ketzer? „Ein Buddy Rich ist bis heute unerreicht“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und auch Ringo Starr habe seine Qualitäten. Einen anderen berühmten Vertreter seiner Gattung mag er hingegen gar nicht. „Charly Watts von den Rolling Stones habe ich mal bei einem Konzert gesehen und ich fand ihn schlecht“, sagt Ketzer spontan.

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