Claus Wilcke: Der Mann, der Percy Stuart war

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Perfektes Pärchen: Claus Wilcke und Horst Keitel (Foto: ZDF Enterprises)

Als amerikanischer Multimillionär Percy Stuart schrieb der Schauspieler Claus Wilcke von 1969 bis 1972 deutsche Fernsehgeschichte. In einem Interview für die KÖLNISCHE RUNDSCHAU und  GESCHMACKSDIKTAT blickte ich Ende 2008 mit dem  69-jährigen Wilcke über die Anfänge und Abenteuer des populären Serienhelden zurück.

Wie kamen Sie eigentlich zu der Rolle als Percy Stuart?
Wilcke: Ich traf in München den Fernsehproduzenten Horst Lockau zufällig im Fahrstuhl. Lockau schaute mich an und sagte: „In 14 Tagen bist du bei mir“. Ich fuhr dann wie verabredet nach 14 Tagen zu Lockaus Bungalow. Da waren eine Menge Leute vom ZDF. Die saßen alle am Tisch wie beim Theaterstück „Die 12 Geschworenen“. Und dann sagte Lockau zu den Herren: „Darf ich ihnen vorstellen, das ist mein Percy Stuart!“.
So was wie ein Casting existierte wohl damals nicht?
Wilcke: Nein, aber das ZDF machte danach eine Umfrage, ob ich beim Zuschauer ankomme. Das Ergebnis war, das ich bei Alt und Jung gleichermaßen sympathisch rüberkam.
Wie viel Percy Stuart steckt denn ihn ihnen selbst?
Wilcke: Also, die Rolle entsprach schon sehr meinem Naturell. Ich habe mich vollkommen damit identifiziert. Was von mir als Percy Stuart verlangt wurde, waren ja besonders sportliche Aufgaben. Und ich war und bin ein Sportfanatiker. Konnte ich auch gut gebrauchen, schließlich fiel ich regelmäßig von galoppierenden Pferden oder musste mich mit Autos überschlagen.
Sie sind aber nicht nur geritten und gesprungen, sondern haben sich in der Serie auch regelmäßig geprügelt. Haben Sie die vielen Actionszenen alle selbst gedreht?
Wilcke: Ja, aber heute würde die Versicherung so was gar nicht mehr erlauben.
Und alles lief ohne ernsthafte Verletzungen ab?
In Spanien sollte mir mal ein Stuntman eine Vase auf den Kopf zerschlagen. Stattdessen erwischte er meine Schläfe und ich lag zwei Tage lang im Krankenhaus. Das war eigentlich alles.
Horst  Keitel und ich haben uns die Bälle nur so zugeschmissen
Wilcke: Wir verstanden uns in der Tat hervorragend. Keitel und ich haben uns die Bälle nur so zugeschmissen, sei es in der Action oder im Dialog.
Von mancher Action war der arme Keitel aber gar nicht begeistert.
Wilcke: Manchmal habe ich ihn sicherlich hart an der Grenze gefordert. Wenn er mit mir im Auto saß und ich a la James Bond mit Hochgeschwindigkeit durch enge Gassen fahren musste, hat er sich schon ziemlich aufgeregt.
Im Gegensatz zu Bond bleibt Stuarts Verhältnis zu Frauen ja immer platonisch, obwohl sie ja äußerlich ein Frauenschwarm waren. Hätten Sie sich nicht mal vom Drehbuchschreiber eine heiße Affäre gewünscht?
Wilcke: Sicher. Aber in den knapp 30-minütigen Folgen war einfach zu wenig Zeit dafür.
Sie sagen ja in allen 52 Folgen anfangs stets: „Ich werde mein Bestes tun!“. Hing Ihnen der Satz nicht irgendwann zum Halse raus?
Wilcke: Ach, der gehörte einfach dazu. Das war wie ein Ritual und ich verband es ja immer mit einem Schmunzeln.
Sie waren als Percy Stuart enorm populär. Überraschte Sie der Erfolg?
Wilcke: Das war für mich schon eine ungeheure Umstellung. Aber ich hatte damit nie Probleme, ich habe mit jedem gerne gesprochen, gerne Autogramme gegeben und mich auch anfassen lassen. Der Erfolg war aber auch wichtig für das ZDF, die standen nämlich total am Anfang. Ohne Percy Stuart hätten die wohl noch lange gebraucht, um sich zu etablieren.
Dennoch mussten sie bis 1980 warten, bis sie beim ZDF in „I.O.B. Spezialauftrag“ ein Comeback als Serienheld feiern konnten.
Wilcke: Komischerweise ist ausgerechnet vom ZDF nicht mehr viel an Angeboten gekommen. Glücklicherweise war ich immer beim Theater gut beschäftigt und auch häufig bei anderen TV-Serien zu Gast.
Wenn Sie auf Percy Stuart zurückblicken, was ist für sie das Besondere an der Serie?
Wilcke: Ich denke, dass die Rolle großen Charme hatte, ein gewisse Portion Humor aber auch genügend Action. Das gab es ja damals noch nicht so häufig. Vielleicht hat es dem Zuschauer auch gefallen, dass der junge Percy immer hübsche Frauen um sich hatte, sich mit Gangstern herumschlagen musste, am Ende aber immer wie James Bond als Sieger hervorging.
Abenteuer auch auf hoher See. (Foto: ZDF-Enterprises)

Abenteuer auch auf hoher See. (Foto: ZDF-Enterprises)

Hilfreich zur Seite stand Ihnen Horst Keitel als spleeniger Rechtsanwalt Reginald Prewster. Das Verhältnis zwischen Ihnen und Keitel wirkte sehr harmonisch. Stimmte der Eindruck?

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